Der Leistenbruch gehört zu den häufigsten chirurgisch zu behandelnden Leiden überhaupt. 5-10% der Bevölkerung sind davon betroffen. 90% aller Leistenbrüche finden sich bei Männern. In Deutschland erleiden ca. 300000 Patienten jährlich einen Leistenbruch.
Beim Leistenbruch, auch Hernia inguinalis genannt, handelt es sich um eine Schwachstelle der vorderen Bauchwand. Durch diese Lücke können dann Eingeweideteile nach außen unter die Haut treten.
Leistenbrüche können erworben (z.B. durch starke körperliche Belastung), aber auch angeboren sein. Auch hier sind Jungen häüfiger als Mädchen betroffen. Wie auch bei Erwachsenen heilt der Leistenbruch bei Kindern und Säuglingen nicht von alleine ab.
Anfangs bemerkt der Patient häufig einen belastungsabhängigen, ziehenden Schmerz in der Leiste. Später erkennt man eine deutlich umschriebene, manchmal wegdrückbare Schwellung in der Leistenregion. Gelegentlich kommen Bauchschmerzen hinzu; bei Einklemmung von Darmanteilen kommen stärkste Schmerzen einhergehend mit Erbrechen und Stuhlverhalt hinzu. In diesem Fall muss sofort ein Arzt aufgesucht werden, es drohen lebensgefährliche Schädigungen des Darmes. Wird die Einklemmung nicht innerhalb von 4-6 Stunden operiert, so droht eine schwere Bauchfellentzündung (Peritonitis).
Ein Leistenbruch heilt von alleine nicht ab. Im Gegenteil, er wird mit der Zeit immer größer. Es droht die Einklemmung von Darmanteilen.
Der Leistenbruch muss daher immer operativ behandelt werden. Bruchbänder sollten bei der Behandlung vermieden werden, da sie den Bruch nicht beseitigen aber eine spätere Operation durch Hautreizungen und Vernarbungen sogar erschweren können.
Wichtigstes Prinzip der Operationstechnik ist die Verstärkung der Schwachstelle, durch welche die Eingeweideanteile durch die Bauchwand treten.
Wir unterscheiden prinzipiell zwei Operationsverfahren:
- Die Verstärkung der Schwachstelle durch körpereigenes Material (Vernähung).
- Die Verstärkung der Schwachstelle durch leichtgewichtige Kunststoffnetze (spannungsfreie Technik)
Das zweite Verfahren kann endoskopisch (sog. TAPP und TEP technik) oder offen chirurgisch (z.B. Lichtensteinoperation) durchgeführt werden.
In Deutschland werden aktuell ca. 50% der Operationen mit Netztechniken durchgeführt, in 25-30% der Fälle kommen die endoskopischen Verfahren zum Einsatz.
Beim ersten Verfahren muss die Leiste immer durch einen größeren Schnitt geöffnet werden. Die Lücke in der Bauchwand wird durch Verstärkungsnähte verschlossen. Die vernähte Muskelhaut muss erst zu einer stabilen Narbe verheilen, was einige Wochen dauert. Die Gefahr, dass ein erneuter Leistenbruch auftritt liegt zwischen 3-5% und ist etwas höher, als bei den Netztechniken.
Bei der endoskopischen Operation, die ich vorzugsweise in der sog. TEP
technik durchführe, wird mit moderner Videotechnik im Gewebsspalt
zwischen Bauchfell und der hinteren Buchmuskulatur operiert. Diese
Vorgehen erspart die Durchtrennung gesunder Gewebsschichten und
verursacht so wesentlich geringere Schmerzen. Das Verfahren ist an die
Verwendung eines Kunststoffnetzes gebunden. Das Risiko für eine erneute
Bruchbildung liegt bei etwa 2%. Ich wende die Technik seit 1997 an und
habe über 2500 dieser Operationen persönlich durchgeführt. Die Operation
wird vorzugsweise in Allgemeinnarkose durchgeführt, ist aber auch in
Regionalanästhesie durchführbar.
Die Patienten sind nach der Operation rasch wieder körperlich
belastbar. Arbeits- und Sportfähigkeit ist nach 1-2 Wochen wieder
hergestellt.
Prinzipiell sollte der Leistenbruch des Kindes und Jugendlichen ohne Verwendung eines Kunststoffnetzes erfolgen, da hier meist nur ein Befekt de3s Bauchfells (sog. Offener proc. Vaginalis, angeborener Leistenbruch) vorliegt. Die Wahl des geeigneten Operationsverfahren sollte individuell mit Ihrem behandelnden Chirurgen bespürochen werden. Die Größe des Leistenbruches, aber auch persönlich körperlich Belastungen, Alter und Körpergewicht spielen unter anderem eine Rolle. Bei wiederaufgetretenen Leistenbrüchen sollte in der Regel ein Netzverfahren zur Anwendung kommen, inbesondere beidseitige Brüche sind idealerweise endoskopisch zu operieren.
- Eine Leistenbruchoperation kann ambulant oder stationär durchgeführt werden.
- Je nach gewähltem Betäubungsverfahren ist eine vorübergehende Überwachung von einigen Stunden erforderlich.
- Sie dürfen am Operationstage kein Fahrzeug führen. Das erste selbstständige Aufstehen darf nicht alleine erfolgen.
- Bei ambulant durchgeführter Operation ist eine häusliche Überwachung von 24 Stunden inbesondere auch für Kinder zu gewährleisten.
- Häufig ist das erste Wasserlassen nach der Leistenbruchoperation erschwert. Spätestens 6 Stunden nach der Operation ist auch bei fehlendem Harndrang eine Blasenentleerung erforderich, da sonst ein Harnverhalt droht.
- Trinken ist frühestens nach 1 Stunde, das Essen nach 4-6 Stunden erlaubt.
- Die Hautwunde/n sollten in den ersten Tagen nach der Operation geschont werden. Nach 4-6 Tagen ist das Duschen möglich. Der Fadenzug erfolgt üblicherweise nach 8 Tagen. Baden oder Schwimmen sollte frühestens nach 14 Tagen erfolgen.
- Körperlich Belastbarkeit ist bei den Nahtverfahren prinzipiell nach 4-6 Wochen gegeben.
Für die endoskopische Operation gilt:
- Leichte körperliche Belastung, z.B. Schwimmen, Jogging oder Radfahren ist nach 1-2 Wochen möglich. Ballsportarten und Bauchmuskelltraining sollten für 2-3 Wochen vermieden werden.
- Arbeitsunfähigkeit besteht in der Regel für 2-3 Wochen.
- Bei postoperativen Störungen(Schwellung, Bluterguß, stärkere Schmerzen, Harnverhalt) erreichen Sie mich immer über das Marienhospital Darmstadt, Rufnummer 06151-4060 auch außerhalb der üblichen Sprechzeiten.
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